Einsatzübung der Feuerwehren aus Schwanstetten und Wendelstein

26. September 2016
Übung/Ausbildung
Wie kann und soll eine Feuerwehr unter Beachtung des Eigenschutzes in einem bewußt herbeigeführten Katastrophenfall wie einem Amoklauf oder Attentat agieren ohne sich und ihre Aktiven zusätzlich zu gefährden? Solche und weitere Fragen sowie praktische Übungen wie den Verletztentransport und die Zusammenarbeit mit anderen Hilfsorganisationen standen im Mittelpunkt der diesjährigen Unterkreisübung im Brandmeisterbezirk Wendelstein-Schwanstetten. Die passenden Übungsörtlichkeiten dafür stellte die Feuerwehr Leerstetten in und auf ihrem Feuerwehrhof sowie in der nahen Grundschule zur Verfügung, geschult wurden die Feuerwehrleute dabei in vier Stationen.

Vorbereitet von der zuständigen Ortswehr in Zusammenarbeit mit Kreisbrandmeister Christian Mederer trafen sich über 160 Aktive der elf Feuerwehren aus den Gemeinden Schwanstetten und Wendelstein sowie aus Kornburg zu Beginn des Übungsabends am Feuerwehrhof in Leerstetten. Hier begrüßten Kreisbrandinspektor Egbert Betz und Kreisbrandmeister Christian Mederer die Teilnehmer und erläuterten den Übungsablauf. Auch Bürgermeister Werner Langhans für die Gemeinde Wendelstein und Dr. Bernd Schulze in Vertretung von Bürgermeister Robert Pfann für die Gemeinde Schwanstetten sprachen kurze Gruß- und Dankesworte.  

Ein besonderer Dank galt dabei auch den örtlichen Mandatsträgern beider Gemeinden, die entweder selbst als Feuerwehrangehörige oder als Beobachter zur Unterkreisübung gekommen waren. Die Feuerwehrführung vor Ort hatte die Übung in vier Stationen organisiert und in vier Gruppen aufgeteilt absolvierten die Übungsteilnehmer dabei alle Stationen. Zwei Stationen galten mit Kurzreferaten und fachlichen Informationen dem richtigen Vorgehen bei unklaren Katastrophenlagen, um weder Verletzte und andere betroffene Personen am Einsatzort noch sich selbst zu gefährden und welche Aufgaben den Feuerwehren dort am Einsatzort zufallen können.

 

„Vorsichtig und umsichtig erst erkunden, dann handeln“

Der sichere Transport von Verletzten mit Einsatzmitteln wie der Personentrage und dem Rettungstuch war eine der zwei Stationen mit praktischen Übungen, während an der zweiten Praxis-Station die Schnelleinsatzgruppe (SEG) der BRK-Bereitschaft Roth ihren Gerätewagen (GW) „Sanität“ mit seiner medizinischen Ausrüstung wie Gerätschaften für die Infrastruktur am Einsatzort vorstellte. In der Grundschule unweit des Feuerwehrhauses erläuterte Notfallseelsorger Andreas Bittner in einer der zwei theoretischen Stationen, welche Aufgaben eine Feuerwehr erwarten können, wenn sie als Ausgangssituation im Notfall zu einer Katastrophenlage alarmiert wird.    

„Im schlimmsten Fall müssen wir bei z.B. einem Amoklauf mit vielen Verletzten und mit Toten rechnen, und dann zählt für uns als Eigenschutz vor allem auch: Abriegeln des Einsatzortes, weitere Personen - außer Berechtigte und Hilfsorganisationen - nicht in den Gefahrenbereich lassen und selbst nur auf Anforderung dort Hilfe leisten, wenn dort die Situation sicher ist.“ umschrieb er die vordringlichsten Arbeiten. Und später, bei der Betreuung der Verletzten und deren Angehörigen, seien die anfallenden Aufgaben eh eine „Personalschlacht“, da in der Sicherheitszone bei und für die Betroffenen wie auch zu deren Abschottung viele Helfer nötig seien.  

 

Zusammenarbeit mit anderen Hilfsorganisationen

Im Schulungsraum der Feuerwehr ging KBM Christian Mederer gemeinsam mit dem Dienststellenleiter der PI Schwabach, Erwin Leitner, aufs richtige Vorgehen der Feuerwehrführung ein, wenn die Wehr zu Katastrophensituationen gerufen wird, und diese in ihrer Ausgangslage unüblich erscheinen. Wichtig sei es dabei, ungewöhnliche Details zu sehen, diese als Indikatoren einer größeren Gefahrenlage zu erkennen und zu bewerten und dann das weitere Vorgehen der eigenen Wehr und anderer Hilfsorganisationen zu planen: „Attentäter kennen keine Rücksicht auf Hilfsorganisationen, wenn sie für ihre Ziele noch ein paar mehr Opfer erwischen können“     

Als weitere Hilfsorganisation war bei der Übung die „Schnelleinsatzgruppe“ (SEG) der BRK-Bereitschaft im Landkreis Roth bei der Übung vertreten. Hier erhielten die Feuerwehrleute Informationen und Einblicke in die Ausstattung von deren Gerätewagen (GW) „Sanität“ mit Hilfsmaterialien für den Patiententransport, aber auch mit Gerätschaften für die Einrichtung einer Hilfsstelle für Einsätze mit größerem Patientenanfall. Ebenso wurden verschiedene Transportmöglichkeiten für Verletzte vorgeführt. Die „klassischen“ Transportmöglichkeiten der Feuerwehr mit Rettungstuch und der Personentrage bildeten mit praktischen Übungen die vierte Station.   

 

Bericht: Dr. Jörg Ruthrof