Waldorfschule - Wasser Marsch!

2. August 2018
Verein Jugend
Wendelstein - Die Waldorfschule ist bekannt für innovative Unterrichtsmethoden, doch „Feuerwehr“ als Unterrichtsfach? Das ist selbst für Waldorfschüler etwas Besonderes. Ein Pilotprojekt, das 2013 ins Leben gerufen wurde und inzwischen fest etabliert ist, steht vor Veränderungen.

Freitagnachmittag, wenn andere Schüler den Heimweg antreten und sich mental auf das Wochenende einstellen, gehen sieben Jugendliche einen anderen Weg. Sie ziehen ihre Einsatzkleidung an, natürlich dürfen Handschuhe und Helm dabei nicht fehlen.

Ihr Ausbilder Phillipp Gründel unterrichtet unter der Woche in musikalischen Unterrichtsfächern. Freitags steht bei ihm allerdings „Feuerwehr“ auf dem Unterrichtsplan. Selbst bei der Feuerwehr Nürnberg-Werderau im ehrenamtlichen Dienst, bringt er das passende Knowhow mit, um als Gruppenführer seine Löschgruppe qualifiziert anzuleiten und auszubilden.

Ein Löschfahrzeug der Feuerwehr Wendelstein fährt vor und holt die Gruppe ab. Es geht zum Übungsdienst auf das nahegelegene Feuerwehrgelände. Phillipp Gründel hat inzwischen ein breites Unterrichtsspektrum erarbeitet. In praktischen und theoretischen Unterrichtseinheiten erlernen die Jugendlichen das Feuerwehrhandwerk.

„Schere und Spreizer“ sind für die Mädchen und Jungen schon lange keine Fremdwörter mehr. Löschaufbau sowie Knotenkunde sitzen und die Brandverhütung ist längst verinnerlicht. Die Jugendlichen lernen durch den schuleigenen Feuerwehrunterricht nicht nur das Ehrenamt als solches kennen. Soziale Kompetenzen wie z.B. Teamfähigkeit, Selbstvertrauen, Empathie und Verantwortungsbewusstsein können durch dieses ungewöhnliche Unterrichtsfach sehr gezielt erlernt und trainiert werden.

Und nebenbei macht es den Jung-Feuerwehrlern einen riesigen Spaß, wofür sie gerne länger in der Schule bleiben.

Die Zusammenarbeit mit der Feuerwehr Wendelstein hat sich bewährt, stellte Phillipp Gründel bei der letzten Übung fest, was vollends auf Gegenseitigkeit beruht. Haben doch kürzlich zwei Jugendliche, über die Schulfeuerwehr, den Weg zur Jugendfeuerwehr Wendelstein gefunden. Inzwischen engagieren sich bereits vier Jugendliche auch außerhalb der Schule in verschiedenen Jugendfeuerwehren.

Innerhalb der Schule ist die Schulfeuerwehr eine feste Institution. So wird der turnusmäßige Feuerprobealarm durch die schuleigenen Feuerwehrkräfte begleitet. Hierbei wird die Schulevakuierung überprüft und auch, wie ernst der Probealarm von Lehrern und Schülern genommen wird. „Mit sehr interessanten Erkenntnissen.“, wie Phillipp Gründel es schmunzelnd formulierte.

So erfolgreich das Projekt auch ist, die Zukunft der Schulfeuerwehr ist derzeit ungewiss. Zum Schuljahr 2018/2019 verlässt Phillipp Gründel mit Wehmut die Schule. Seine berufliche Neuausrichtung wird sich nicht mit einem regelmäßigen Übungsangebot vereinbaren lassen, das er sonst gerne fortführen würde.

Derzeit sucht er zusammen mit der Feuerwehr Wendelstein und der Schulleitung nach einer adäquaten Lösung, um das Unterrichtsangebot aufrecht zu erhalten. Die Schulfeuerwehr möchte er, soweit es geht, weiterhin unterstützen. Das Interesse am Fortbestand der Schulfeuerwehr ist seitens der Waldorfschule und der Feuerwehr Wendelstein groß, weshalb optimistisch in die nahe Zukunft geblickt werden darf.

 

Bericht:

M. Rahman

Feuerwehr Wendelstein